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Deutsche Gäste nicht nur zur Durchreise

16.05.2002

Deutsche Gäste nicht nur zur Durchreise

Schottland und Rheinland-Pfalz kommen einander näher: Vom Hahn im Rhein-Hunsrück-Kreis nach Prestwick in Ayrshire sind es gerade eineinhalb Flugstunden

Touristiker wollen neue Besucherströme in westschottischer Region halten

Eine Region besinnt sich auf ihre Stärken - was längst als Leitmotiv für die Rhein-Hunsrücker Initiative à la région gilt, gewinnt auch im benachbarten Ausland an Bedeutung. Gerade gut eineinhalb Flugstunden entfernt liegt die westschottische Region Ayrshire - mit dem Flughafen (Glasgow-)Prestwick und Direktverbindung nach (Frankfurt-)Hahn. Was liegt also näher, als die Regionen nahe zu bringen?

AYRSHIRE/RHEIN-HUNSRÜCK. Knapp ein Jahr alt sind die Verbindungen zwischen den Regionen Rhein-Hunsrück-Mosel und Ayrshire in Schottland. Auf Initiative der konservativen Europaabgeordneten Christa Klaß (Trier) und Struan Stevenson (Ayrshire) entstand im vergangenen Sommer die Idee, dank der Ryanair-Flugverbindung die beiden Regionen zu verbinden. Die IHK für die Region Rhein-Hunsrück-Mosel und die CDU-Landtagsabgeordneten Licht und Bracht griffen die Idee auf, unterstützen sie und sorgen für den Startschub der neuen Beziehung.

In Ayrshire sehen die Verantwortlichen die neuen Möglichkeiten mit wachen Augen. Seit es die günstige Flugverbindung von Hahn nach Prestwick gibt, sind die Besucherzahlen aus Deutschland drastisch gestiegen. Und die Touristikfachleute wollen alles daran setzen, möglichst viele Flugpassagiere in der Region an der schottischen Westküste zu halten und nicht bloße Durchgangsstation für den Transfer nach Glasgow oder in andere Zentren zu werden.

Kultur ist ein dickes Pfund, mit dem Ayrshire und die Bezirkshauptstadt Ayr wuchern wollen. Die neue Touristikchefin Janet Reuben, die erst vor einem Jahr von London kam, brachte in nur drei Monaten ein gewaltiges Festival ins Rollen. Sie erinnerte die Region an deren berühmtesten Sohn, den schottischen Dichter Robert Burns (1759 bis 1796), der in der gesamten englischsprachigen Welt vor allem durch seinen berühmtesten Text bekannt ist: das Abschieds- und Neujahrslied "Auld Lang Syne".

Eine Woche lang wurde jetzt in Ayr und Umgebung das Festival "Burns and a' that" gefeiert - mit teilweise hochkarätigen Beiträgen. Höhepunkt war das Galakonzert im historischen Culzean Castle mit dem "Royal Scottish National Orchestra" und internationalen Solisten. Ein bombastisches Feuerwerk zu Klängen von Tschaikowsky bildete vor der imposanten Schloss-Kulisse ein beeindruckendes Finale.

Das Festival bot eine Fülle von ungewohnten Einzelveranstaltungen - wie den nächtlichen Besuch des Friedhofs von Alloways mit Licht- und Toninstallation - und soll sicher keine Eintagsfliege bleiben. Neben der Kultur - auch im örtlichen Museum sind die steigenden Besucherzahlen aus Deutschland spürbar - will die Region mit vorhanden Angeboten locken. Allein 50 Golfplätze locken nach Ayr und Umgebung, berichtete Annique Armstrong, die Touristikmarketing-Managerin. Und ihr Kollege David Parker, der in Deutschland studiert hat und vor allem für Anfragen vom Kontinent zuständig ist, zählt überzeugend die Vorteile Westschottlands als Urlaubsland auf: das Meer mit seinen Wassersportmöglichkeiten, die Schlösser, die Geschichte, vielfältige Möglichkeiten für Familien mit Kleinkindern, die benachbarte Insel Arran ("Schottland im Kleinen mit allen Landschaften" und einer Whisky-Brennerei), Golf, Robert Burns und die Kultur.

Außerdem - darauf sind die örtlichen Touristikfachleute besonders stolz - hat sich in den vergangenen Jahren die schottische Küche erheblich gewandelt: zum Positiven natürlich. "Wir haben eine echte Scottish Cuisine, und die ist richtig gut", betonte Marketing-Managerin Armstrong.

Davon durfte sich die kleine Journalistengruppe aus Rheinland-Pfalz und Hessen auch selbst überzeugen. In dem kleinen Keller-Bistro "fouters" ("das ich aus eigenem Antrieb nie allein aufgesucht hätte"; Anm. d. Verf.) gab es schottische Küche vom Feinsten: Meeresfrüchte und Salate in allen Variationen, Lamm und Käse aus der Region und zur Krönung eine Creme mit einem Spritzer Whisky-Likör . . .

Wer mehr erfahren möchte über die reizvolle Region: www.ayrshire-arran.com
(Rhein-Hunsrück-Zeitung - Michael Maurer, 16.05.2002)

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