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Rheinfels 2003: à la région erstmals mit schottischer Beteiligung

10.10.2002

Rheinfels 2003: à la région erstmals mit schottischer Beteiligung

In Schottland wurden jetzt die Weichen gestellt, die Initiative à la région auf internationale Ebene auszudehnen. RHZ-Redaktionsleiter Michael Maurer (2.v.l.) und die Geschäftsführerin der Rhein-Touristik, Claudia Schwarz (rechts), überreichten als Mitglieder des Organisationsteams von à la région Einladungen zur Teilnahme am nächsten Gourmetfestival im Juni 2003 auf Burg Rheinfels in St. Goar. Als Vertreter der Delegation der Rhein-Hunsrück-Mosel-Region, die jetzt das südschottische Ayr besuchte (unser Zeitung berichtete), erläuterten sie mit Harald Rosenbaum (links) ihren schottischen Gesprächspartnern das Konzept von à la région und die Idee von Initiator Gerhard Stümper, im Jahr 2005 ein Festival unter dem Motto "Europa der Regionen" auf dem Flughafen Hahn zu veranstalten. Landrätin Elizabeth Foulkes (3.v.l.) und der Abteilungsleiter für Tourismus und Freizeit, Derek Cunningham (2.v.r.), zeigte sich begeistert von dem Vorhaben. Sie werden gemeinsam mit einer kleinen Delegation beim nächsten à la région Event am Mittelrhein ihre Heimat und ausgewählte kulinarische Köstlichkeiten präsentieren.

Schritt für Schritt zu Partnerschaft Delegation von Rhein, Hunsrück und Mosel besuchte erneut Schottland - Flughäfen Hahn und Prestwick bieten gleiche Chance

Mit kleinen Schritten zum großen Ziel - so lässt sich das Ergebnis der jüngsten Schottlandreise einer Rhein-Hunsrück-Mosel-Delegation am ehesten beschreiben. Ziel ist eine feste Partnerschaft der Regionen zwischen Rhein und Mosel und dem Süden von Ayrshire. Der dreitägige Besuch mit Besichtigungen, einem umfassenden Workshop und einem lukullischen Abend war (wieder) ein kleiner Schritt: "step by step" (Schritt für Schritt) wurde so fast zum geflügelten Wort.

RHEIN-HUNSRÜCK / SÜD-AYRSHIRE. Der Flughafen Hahn und Ryanair lassen Europa zusammenwachsen. Und zwar in jeder Hinsicht: Flugreisende müssen in der Region um den Flughafen "gehalten" werden; die Region hat für Reisende viel Sehenswertes zu bieten; Touristen geben 40 Prozent ihres Geldes für Essen und Trinken aus; mit lokalen Produkten in guter Qualität kann die Region auch bei Touristen gut vermarktet werden. Einige von zahlreichen Feststellungen, die schon oft in Diskussionen rund um den Flughafen Hahn gefallen sind - nur stammen sie diesmal aus dem südschottischen Ayr, aus dem Vortrag eines Dozenten der dortigen landwirtschaftlichen Hochschule. Mit großem Interesse nahmen die deutschen Teilnehmer des ersten gemeinsamen Workshops zur Kenntnis, dass die Situation, die Probleme und auch die Möglichkeiten rund um die beiden Regionalflughäfen Frankfurt-Hahn und Glasgow-Prestwick nahezu identisch sind. Ebenso gleichgelagert artikulierten beide Seiten den Wunsch, die Zusammenarbeit zu vertiefen und auf partnerschaftliche Beine zu stellen.

Von deutscher Seite nahmen an der Schottlandreise unter Leitung des Landtagsabgeordneten Alexander Licht (Kreis Bernkastel-Wittlich) erstmals auch die offiziellen Vertreter der heimischen Tourismusbüros teil. Neben der Mosel-Touristik waren die Cheftouristiker von Mittelrhein und Hunsrück, Claudia Schwarz und Jörn Winkhaus, vertreten. Ebenfalls zur Delegation gehörte Kreisverwaltungsdirektor Harald Rosenbaum.

Nach dem Besuchsprogramm am ersten Tag, das die Gäste auf die Spuren des aus der Region um Ayr stammenden schottischen Dichters Robert Burns (1759 bis 1796) führte, und einem Abend im Zeichen des kulturellen Austauschs, stand am folgenden Tag "handfeste" Arbeit auf dem Programm. Möglichkeiten der touristischen Zusammenarbeit und die Verbindung der unterschiedlichen Initiativen in Sachen Essen, Trinken und Kultur waren die Themen eines Workshops, zu der die Landrätin von Süd-Ayrshire, Elizabeth Foulkes, neben der deutschen Delegation zahlreiche einheimische Fachleute aus Tourismus, Politik, Kultur und Wirtschaft begrüßte.

In mehreren umfassenden Präsentationen stellten die Gastgeber ihre Region und deren Attraktionen und Möglichkeiten dar. Immer wieder stießen die Diskussionsteilnehmer auf Ähnlichkeiten zum Großraum Rhein-Hunsrück-Mosel. Gemeinsam wollen beide Seiten künftig die Entwicklung der beiden Flughäfen Hahn und Prestwick vorantreiben und für gegenseitige Zwecke nutzen. Dabei kann neben dem für den Rhein-Hunsrück-Kreis erfolgreichen Leader-Plus-Programm der Europäischen Union (EU) eine weitere EU-Förderung hilfreich sein: das "Interreg III B"-Programm, das der harmonischen, territorialen Integration europäischer Regionen dient. Während hierzulande ein Informationsseminar der Landesregierung zu diesem Programm mangels Interesse (die Simmerner Kreisverwaltung hatte sich angemeldet) abgesagt wurde, sind die Schotten wesentlich weiter und haben die Fühler nach diesen neuen Fördermöglichkeiten aus Brüssel bereits ausgestreckt. Für die Rhein-Hunsrücker Seite sicherte Harald Rosenbaum zu, entsprechende Informationen für das künftige gemeinsame Vorgehen zu beschaffen. In diesem Zusammenhang sei auch die Zusammenarbeit mit einem dritten Partner auf europäischer Ebene förderwürdig - mit Blick auf die neuen Flugziele der Ryanair kommt beispielsweise die Region um Stockholm in Frage.

In kleinen Schritten soll jetzt die Zusammenarbeit der Regionen forciert werden. So kann auf dem Flughafen Hahn, wo das neue Tourismusbüro installiert ist, Informationsmaterial aus Süd-Ayrshire angeboten werden, umgekehrt soll im Airport von Prestwick für Rhein, Hunsrück und Mosel geworben werden. Beide Seiten betonten die Notwendigkeit von Partnerschaften auf örtlicher Ebene. Jetzt gelte es die jungen Beziehungen mit Leben zu erfüllen. "Wir dürfen uns nach diesem Treffen nicht zurücklehnen, sondern müssen die Regionen gemeinsam nach vorne bringen", formulierte die Verwaltungs-Chefin von Süd-Ayrshire, Liz Foulkes.

Mit Blick auf die wachsende Bedeutung und die zunehmende Zahl von Passagieren auf dem Hahn forderte der Unions-Abgeordnete Alexander Licht im Gespräch mit unserer Zeitung die rheinland-pfälzische Landesregierung auf, die Stelle eines Tourismus-Staatssekretärs zu schaffen. Damit müsse der rasanten Entwicklung Rechnung getragen werden. Licht: "Wir brauchen einen solchen Posten, bei dem alle Fäden zusammenlaufen und der die Verantwortung für den Hahn und die dortigen touristischen Möglichkeiten und deren Entwicklung übernimmt."

Kommentar
"Haus" Europa mit Leben füllen Michael Maurer zum Austausch mit Ayrshire

Der jüngste Besuch in Ayr hat einmal mehr gezeigt, welche Gastfreundschaft uns die schottischen Freunde entgegen bringen. Was mich bereits im vergangenen Jahr berührte, erlebten nun auch die neuen Delegationsteilnehmer. Sämtliche Klischees und Vorurteile über die Schotten und vor allem über deren Küche gehören über Bord geworfen. Der kulinarische Abschlussabend, das "Experiment mit schottischem Essen und deutschem Wein", war ein voller Erfolg. Geräucherter Honig-Lachs mit einem Kabinett von der Mosel kann ein echter Genuss sein . . .

Es wäre aber falsch, die bisherigen Verbindungen der beiden Regionen auf die Genüsse von Speisen und Getränken zu reduzieren. Da liegen zwei vergleichbar reizvolle Gegenden gut 1500 Kilometer voneinander entfernt - bis vor knapp zwei Jahren fast unerreichbar entfernt. Nun haben beide Regionen einen aufstrebenden Verkehrsflughafen und plötzlich eine Fluggesellschaft, die für wenig Geld eine tägliche Verbindung schafft. Mit einem Schlag sind Schottland und Rheinland-Pfalz, Prestwick und Hahn und damit Süd-Ayrshire und der Hunsrück auf weniger als zwei Flugstunden zusammengerückt. (Offizielle) Kontakte werden geknüpft, Besuche hüben und drüben, aus Bekanntschaften wachsen Freundschaften.

Und keine zwei Jahre vergehen, da entdecken die Menschen rund um die Flughäfen Prestwick und Hahn, dass sie sich mit den gleichen Fragen beschäftigen. Auf den Punkt gebracht, gilt es, die neuen Möglichkeiten der internationalen Verkehrsverbindungen für das wirtschaftliche Vorankommen der jeweiligen Region zu nutzen. Was liegt da näher, als gemeinsame Konzepte zu erarbeiten und zu verwirklichen? Die Menschen hüben und drüben sind nun gefordert, die Beziehungen mit Leben zu füllen. Der Grundstein, wie es Alexander Licht formulierte, ist gelegt. Jetzt gilt es, darauf das Fundament der Partnerschaft und Freundschaft zwischen den Regionen zu bauen. Da können alle mitmachen: ob Politiker, Vereine, Verbände, Schulen, Sportler, Sänger, Künstler, Firmen oder einfache Bürger - nie war es einfacher, das neu geschaffene "Haus" Europa mit Leben zu füllen. (Rhein-Hunsrück-Zeitung - Michael Maurer, 12.10.2002)

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