Idee | 15 Jahre à la région

15 Jahre à la région ... eine Idee bewegt nicht nur die Gourmets!

Essen und Trinken gehören bekanntermaßen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Dass gute Speisen und erlesene Tropfen darüber hinaus die Lebensqualität merklich steigern, ist auch längst kein Geheimnis mehr. Glücklicherweise finden die Freunde der guten Küche immer mehr davon in der Region, in der sie leben – im geografischen Hunsrück zwischen Rhein, Mosel und Nahe. Schon seit Jahren machen Köche, Restaurantbetreiber, Winzer oder Landwirte in der Region immer wieder von sich reden. Da werden Weine ausgezeichnet, Restaurants prämiert, Fleischqualitäten gelobt oder Braugerste als Beste Deutschlands bewertet.

Das „Kunstgebilde" Rhein-Hunsrück-Kreis und seine angrenzenden Regionen haben viel zu bieten und zu erleben. Und doch galt die Region noch vor weniger als 20 Jahren als rückständig. Der Gourmet – oder wer sich dafür hielt – fuhr höchstens auf der A 61 über den Hunsrück, um schnellstmöglich ins Elsass zu gelangen.

Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt grundlegend geändert und ist in der Hauptsache einem Hunsrücker Landwirt zu verdanken: Gerhard Stümper, Ehrenvorsitzender von „Damwild Farming Mitte/West", der seit mehr als drei Jahrzehnten Damhirsche züchtet. Er setzte von Beginn an auf umweltschonende und artgerechte Tierhaltung. In seinem Bemühen qualitativ hochwertige, landwirtschaftliche Erzeugnisse an den Markt zu bringen, nahm er alle „Veredler" der Region mit ins Boot, und es entstand à la région. Die Grundidee der Initiative lautet: Eine Region hilft sich selbst! Viele Gastronomen, Winzer vom Rhein und Landwirte vom Hunsrück haben schnell erkannt, dass sie von einer Zusammenarbeit nur profitieren können.

Da kam die Idee von Gerhard Stümper vor gut fünfzehn Jahren gerade recht: Warum nicht die Freuden kulinarischer Genüsse mit Produkten aus der Region erleben? Und warum den Bemühungen vieler Einzelner nicht einen offiziellen Charakter geben und eine gemeinsame Veranstaltung organisieren. Die Idee des Gourmetfestivals à la région war geboren. 1995 feierte das kulinarische Großereignis für die Rhein-Hunsrück-Mosel-Region Premiere in Boppard. In der Bundesakademie kombinierten sechs Gastronomen ausgesuchte Spezialitäten der heimischen Region mit Weinen von Mittelrhein-Gütern zu einer kulinarischen Weinprobe. Schirmherr war der damalige rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister Rainer Brüderle, und von Beginn an bis heute engagiert sich die Kreissparkasse Rhein-Hunsrück als Förderer und Hauptsponsor der Bewegung à la région. Dem früheren Vorstands-Chef Dieter Merten ist dieses Engagement zu verdanken. Der Sparkassen-Direktor betonte immer wieder das Interesse seines Hauses, Landwirtschaft, Weinbau und Gastronomie der Konsumentenseite vermittelnd schmackhaft zu machen. Produzieren und konsumieren vor Ort: Die Region hilft sich selbst – und alle profitieren!

In den Folgejahren wurden Landwirtschaft, Weinbau und Gastronomie mit der Touristik, dem Regionalrat Wirtschaft Rhein-Hunsrück und weiteren Kooperationspartnern vernetzt. Gebündelt bilden diese treibenden Kräfte nun das Team à la région, an dessen Spitze als unermüdlicher Motor Gerhard Stümper steht – seit zwei Jahren mit dem Titel Marketingdirektor „geadelt". Nach seinen Worten will à la région der Landwirtschaft, dem Weinbau und der Gastronomie ein Präsentationsforum bieten. Die Selbsteinschätzung, das Wertempfinden für die eigenen Stärken und das Wir-Gefühl sollen gefördert werden.

Konkurrierende Erzeuger und Anbieter kommen an einen Tisch, und Berührungsängste im heimischen Markt werden abgebaut. Das Interesse der Landwirte, der Gastronomen und der Winzer sich bei dieser Veranstaltung zu präsentieren sowie der Bekanntheitsgrad der Veranstaltung in der Bevölkerung ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Kleinere Events einzelner Partner, die unter dem inzwischen geschützten Markenzeichen à la région veranstaltet werden, genießen hohen Zuspruch und sind weitere Multiplikatoren. Die weiteren Großveranstaltungen in Kastellaun, Emmelshausen, Simmern und 2003 auf Burg Rheinfels in St. Goar lockten die Gäste in Scharen an – zuletzt mehr als 600.

Das Festival à la région auf Burg Rheinfels öffnete sich erstmals in europäische Dimensionen. Neben zehn Gastronomen und entsprechend vielen Winzern aus der Region beteiligten sich zwei schottische Köche an dem kulinarischen Großereignis. à la région schickt sich seit drei Jahren an, europäische Regionen zu vernetzen. „Schuld" daran ist der ehemalige US-Airport Hahn im Hunsrück, der als „Flughafen Frankfurt-Hahn" in den vergangenen Jahren erhebliche Bedeutung bekam und sich zur europäischen Drehscheibe entwickelte. Seit die irische Billigfluglinie Ryanair dort ein Drehkreuz einrichtete, hat sich der Flughafen im Zentrum des Wirkungsbereichs von à la région zum Tor nach Europa entwickelt.

Für Lászlo Gilányi, Vorsitzender des Regionalrates Wirtschaft, konnte beim Start von à la région mit der ersten Veranstaltung in Boppard keiner absehen, welche neue Dimensionen sich durch den Flughafen Hahn ergeben. Für die Region entstehen völlig neue Möglichkeiten. Zum einen kann sich der Primärmarkt im Tourismus enorm entwickeln, und zum anderen müssen die Chancen für den Sekundärmarkt genutzt werden. Die Region rund um den Flughafen Hahn muss Besucher aus den anderen Ryanair-Destinationen für den Großraum Rhein-Hunsrück-Mosel interessieren und gewinnen. Einigkeit herrscht bei dem Team à la région darüber, dass dies im Norden Europas einfacher als im Süden ist.

So war es nur folgerichtig, dass der Flughafen Frankfurt-Hahn beim Gourmetfestival à la région im Jahr 2005 eine entscheidende Rolle spielte: Unter dem Motto „Europa der Regionen" stand die siebte Großveranstaltung am Freitag, 24. Juni 2005, auf dem Flughafen im Hunsrück. Neben bekannten heimischen Spitzenköchen und Winzern vom Mittelrhein, vom Hunsrück und von der Mosel waren erstmals Gastronomen aus den verschiedenen europäischen Regionen, die Ryanair vom Flughafen Hahn aus ansteuert, dabei.

Zurück zu den Wurzeln hieß es 2007, als die Großveranstaltung à la région wieder nach Boppard lockte. Unter dem Motto „Rhein, Römer, Romantik - eine kulinarische Reise ins Welterbetal" waren die Bopparder Rheinanlagen Austragungsstätte. Zum zweiten Mal konnte die „Perle am Rhein" damit die weit über die regionalen Grenzen hin bekannte Veranstaltung beherbergen, die 1995 in Boppard ihre Premiere hatte. In diesem Jahr wurde erstmalig auch ein touristisches Nachmittagsprogramm in Zusammenarbeit mit der Stadt Boppard angeboten. Entdeckung der Stadtgeschichte auf den Spuren von Michael Thonet, Fahrt mit dem Sessellift und Mountainbike - Vorführung der TG Boppard am Vierseenblick oder ein Golf-Schnupperkurs auf dem Jakobsberg.

Mit 720 Besuchern verzeichnete das Gourmet-Festival à la région im Jahr 2009 Besucherrekord auf dem historischen Marktplatz in der Stadt Kirchberg, die im gleichen Jahr das Jubiläum 750 Jahre Stadtrechte feierte.

Wir sehen uns wieder ... am 17.06.2011!